Einführung in geistliche Begleitung

Anhaltspunkte für eine Geistliche Begleitung

  • Ich möchte mit einer/einem anderen meine Lebensfragen klären, fürchte mich aber vor Ratschlägen.
  • Ich spüre in mir eine Sehnsucht, Unruhe oder Unzufriedenheit, kann sie aber nicht genau benennen.
  • Vielleicht suche ich Gott und möchte ihn finden, weiss aber nicht, wie das geht.
  • Mein Kinderglaube ist an eine Grenze gekommen, ich möchte schauen, wie es weitergeht.
  • In Umbruchsituationen suche ich Orientierung und Halt, will aber nicht vereinnahmt werden.

 

Trifft einer dieser Sätze auf Sie zu, kann Geistliche Begleitung ein Weg sein.

Voraussetzung für Suchende

Ein Weg in Geistlicher Begleitung kann sich entfalten, wenn zwei Bedingungen gegeben sind:

Sehnsucht, das ganze Leben tiefer in Gott zu verankern und

Bereitschaft, persönlich die Verantwortung zu übernehmen für die konkreten Schritte im Leben.

Gesprächsthemen

Geistliche Begleitung befasst sich mit allen Aspekten des Lebens. Es geht um den Wachstums- und Verwandlungsprozess des Menschen. Dabei können sich Widerstände und Umwege zeigen.
Im Zentrum des Begleitgesprächs steht die Erfahrung und nicht das religiöse oder theologische Wissen. Dabei ist die Ausrichtung nicht problemlösend und konzentriert sich nicht auf die Ebene des Machbaren und Verstehbaren. Geistliche Begleitung hat die Absicht, den persönlichen Weg mit Gott zu vertiefen.

Vorgehensweise

1. Erstkontakt, Vorgespräch: klären, ob die Vertrauensbasis stimmt, Erwartungen und Befürchtungen aussprechen, Regel-mässigkeit der Gespräche abmachen, Finanzielles besprechen

2. Eine Gesprächsreihe (z.B. 5mal) verein-baren, aufgrund eines Rückblicks abschliessen oder weiterfahren

Kosten

Geistliche Begleitung ist ein Dienst. Und dennoch wäre es nicht richtig, deshalb zum vorneherein die Frage nach dem Preis auszublenden. Es stellt sich mit der geistlichen Begleitung die Frage: Was ist mir dieser Weg wert. Auch ein symbolischer Betrag ist eine Hilfe, die Gespräche ernsthaft und verbindlich anzugehen.
Die in diesem Verzeichnis aufgeführten Begleitpersonen wurden angefragt, wie die finanzielle Seite ihrer Begleitgespräche aussehe. Die Antworten fielen sehr unterschiedlich aus. Viele begleiten Studierende unentgeltlich. Von Verdienenden wird nach ihren Möglichkeit Fr. 30.- bis Fr. 80.- verlangt. Für einzelne ist auch eine Spende an eine geeignete Institution eine Möglichkeit der Wertschätzung. Einige Begleitende sind freischaffend und haben eigene Tarife. Die therapeutischen Begleitgespräche sind nicht unentgeltlich.

Es ist wichtig, dass alle, die Begleitung suchen, im ersten Gespräch die Frage nach den Kosten ansprechen und klären.
Theologiestudierende können bei ihren Regenten erfragen, welche Unterstützung sie von Seiten des Bistums erwarten dürfen.

Häufigkeit der Gespräche

Geistliche Begleitung findet etwa monatlich statt oder in besonderen Situationen in gegenseitiger Absprache auch häufiger.

Gurus?

Gute Geistliche Begleiter oder Begleiterinnen mit Gespür für Gottes einzigartiges Wirken haben nie "den besseren Weg" oder "die richtige Methode", die allen übergestülpt wird, und sie benehmen sich gewiss nicht als Gurus.
Als begleitete Person bin ich frei, darf meinen persönlichen Weg suchen und werde stets darin bestärkt, meinen Blick auf Wesentliches, auf mein Leben mit Gott auszurichten. Entscheidend ist von Anfang an, dass ich demjenigen oder derjenigen, die mich begleitet, menschlich vertrauen kann, ich ihn oder sie geistlich und fachlich glaubwürdig erlebe.

Kennzeichnend für die Gespräche

Dass es eine spezifische Weise neben anderen ist. Geistliche Begleitung kann weder das Gespräch unter Freunden, noch Diskussionen usw. ersetzen.

Dass ein Schwerpunkt auf den geistlichen Bewegungen liegt (Freude/Angst, Friede/Unfriede, Ruhe/Gehetztsein, Liebe/Wut, Hass etc.)

Dass der Schwerpunkt beim Aussprechen liegt und für den Begleiter beim Zuhören.

Dass man sich neben dem Aussprechen auch einlässt auf Rat, Korrektur, Erinnerung an Gesagtes, „Provokation", Traditionsvermittlung usw.

Dass die Mitte des Gesprächs das „Leben aus dem Glauben" ist, d.h. die Beziehung zu Gott, zu sich selber und zu den Nächsten.

Dass es zwar gelegentlich ein „Nikodemusgespräch" sein kann, oft aber ein alltägliches Lebens- und „Arbeitsgespräch" ist.

Dass Begleiter/-in und die begleitete Person sich betend unter der Führung des Heiligen Geistes wissen.

Regel für Begleiterinnen und Begleiter

Im Mitgehen und Mitleiden begleitet der Seelsorger jemanden durch alle Höhen und Tiefen. Er er-lebt mit ihm die Erfahrungen, Kränkungen, Zwänge etc. Er sucht alles möglichst angstfrei an sich heranzulassen und zu verstehen. Immer aber bleibt es ein Er-leben, nicht ein Aus-leben oder Aus-agieren.
Der Umgang mit den Liebesgefühlen erfordert besondere Wachsamkeit. Das natürliche Liebesbedürfnis, manchmal auch ein Liebesdefizit der Seelsorger könnten leicht die Grenzen vergessen und eine tröstende Umarmung in Zärtlichkeiten und ins zärtliche Liebesspiel einmünden lassen. Daraus entsteht eine Form der Intimität, welche kurzfristig zwar ein Hochgefühl, oft sogar die Illusion der Heilung vermittelt, in Wirklichkeit aber zu Verwirrung, Abhängigkeit und falschen Erwartungen führt.

Ermutigung aus der Bibel

Der junge Tobias erhielt von seinem Vater den Auftrag, nach Rages zu gehen; er wandte ein, dass er den Weg nicht kenne. „Geh also", sagte der Vater, „und suche dir einen Führer" (Tob 5,2ff). Ich sage dir dasselbe: Willst du dich mit Vorbedacht auf den Weg der Frömmigkeit begeben, so suche dir einen vortrefflichen Begleiter. Das ist der dringlichste Rat, den ich dir geben kann.
Wie aber diesen Freund finden? Bete inständig zu Gott, dass er dir einen nach seinem Herzen schenke. Sei versichert: müsste Gott dir auch einen Engel vom Himmel schicken wie dem jungen Tobias, er wird dir einen guten und treuen Begleiter geben.
Er soll dir aber wirklich wie ein Engel sein; das heisst: hast du ihn gefunden, so betrachte ihn nicht als gewöhnlichen Menschen; setze dein Vertrauen nicht auf seine Person noch auf sein menschliches Wissen, sondern auf Gott. Er wird dir seine Gunst erweisen und durch diesen Menschen zu dir sprechen, ihm das in Herz und Mund legen, was deinem Glück dient. Deshalb musst du auf ihn wie auf einen Engel hören, der vom Himmel herabgestiegen ist, um dich empor zu führen. Sprich mit ihm ganz offen, aufrichtig und einfach. Zeige ihm mit aller Klarheit das Gute wie das Böse an dir, ohne etwas zu verschleiern oder zu verheimlichen. So wird das Gute in dir erprobt und gefestigt, das Schlechte gebessert und geheilt. In Schwierigkeiten wirst du Erleichterung finden; wenn geistliche Freude dich erfüllt, wird er dich Mass und Ordnung halten lehren.
(nach Franz von Sales, geschrieben 1599)

Weisheit

„Es ist gefahrvoll, wenn einer lehren will, der nicht durch das tätige Leben hindurchgegangen ist. Wie wenn einer, der ein baufälliges Haus hat, Gäste aufnimmt und sie durch den Einsturz des Hauses beschädigt, so richten auch diejenigen, die sich nicht selbst zuerst auferbaut haben, jene zugrunde, die sich ihnen anschliessen."
(Amma Synkletika, Apophthegmata patrum)